Comming / going home

Da ist sie wieder – die alljährliche Zweiteilung nach dem wieder mal lang ersehnten Besuch in der Heimat. Ich war zu Hause, in Bulgarien. Ich weiß gar nicht, ob es in die Kategorie Urlaub reinpasst. Urlaub stellt man sich ja als sorgenfreie und aufgabenlose Zeit vor. Zeit, die man intensiv mit den Menschen verbringt, die einem am Herzen liegen. Oder Zeit, die man ganz alleine mit sich oder umgeben von Unmengen unbekanntenr, fremder Personen verbringt. Ganz oft erwartet man von dieser Urlaubs- oder Freizeit so viel, dass es gar nicht funktionieren kann… Die Erwartungen und Wünsche sind so viel, dass man sich überanstrengt und alles ins Wasser fällt, bevor die Chance überhaupt bestanden hat zum Genuss zu kommen.
Das ist bei mir seltenst der Fall. Ich lasse die Sachen auf mich zukommen. Es ist sogar ein bißchen zu meiner Lebenshaltung geworden – in Maßen planen und das Meiste einfach auf mich zukommen lassen. Ich habe damit auch nur gute Erfahrung gemacht. Wenn der Alltag oder der Urlaub nicht bis auf die letzte Minute verplant ist, kann weniger schief laufen. Außerdem entsteht höchstens die Gefahr, dass man zufällig ungeplant an einen bezaubernden Ort ankommt, einen bezaubernden Sonnenuntergang betrachtet und mal was ganz Besonderes isst (zugegeben, ich habe geschworen nieeee, nieee, niieee Muscheln zu essen und hätte es bereut, wenn ich mich daran gehalten hätte). Das war aber auch nur einer der wenigen Augenblicke in Bulgarien, wo meine Seele und meine Augen offen für das Bezaubernde waren.
Die Sorge und der Herzensschmerz, die mich seit einiger Zeit jetzt begleiten, hatte ich mit nach Bulgarien genommen… wohl in dem Bewußtsein, dass mich da auch ein sehr schwieriger Moment erwartet, der noch mehr Herzensschmerz verursacht. Sich von geliebten Menschen zu verabschieden fällt immer schwer… aber zu wissen, dass dies ganz gewiss der letzte und endgültige Abschied ist, macht es einem unmöglich schwer! Zu wissen, dass man nichts mehr machen kann als loszulassen und zu wissen, dass es das letzte Mal war, dass ich aus diesem Haus gehe und sie mich vom ganzen Herzen mit den Worten verabschiedet „Sei immer gesund!“… das war hart, sehr hart! Ihr ist es verwehrt geblieben, sie ist nicht gesund, ganz und gar nicht…aber sie wünscht es jedem vom ganzen Herzen und wenn sie es sagt, weiß man, dass sie ganz genau weiß, wie ernst sie es mit diesem Wunsch meint…Als würde mich meine Omi verzaubern gesund zu bleiben als Tausch für ihre unheilbare Krankheit!
Und wie hätte ich dann meine freie Zeit zu Hause Urlaub nennen können? Diese mit erwachsenen Sorgen erfüllte Zeit – wie soll ich sagen, dass es schön war, wie soll ich die Augen für das Bezaubernde offen lassen, wenn der Schmerz sie zum Tränen zwingt…
Zwei geteilt bin ich zwischen zwei Orten, die ich zu Hause nenne…Zwischen Menschen, die ich am liebsten alle zu meiner FAMILIE zusammenfügen würde… Wenn Erwachsene nur nicht so kompliziert wären! Mir ist bewußter denn je, dass wir mit diesem Erwachsenengetue nur Zeit verplempern für das richtig Wichtige im Leben, aber wie soll ich die Richtung wechseln? Wie verändere ich die durchgetrampelten Pfade und bringe uns dazu, uns wieder in die Freiheit zu trauen? Wie löse ich das Herz vom Schmerz und wie füge ich alle Bruchstücke wieder zu einem Ganzen?

Diese Gedanken bewegen mich so sehr in letzter Zeit, dass ich wenig Kopf zum Blog-Schreiben habe (das ist jetzt wahrscheinlich eine Ausrede vor mir selber…). Und da dachte ich, wäre es am Besten wenn ich die erstmal im Blog freilasse… So entsteht vielleicht mal wieder Platz in meinem Köpfchen! Und ich werde weniger Erwachsen und stecke Dich auch noch damit an!!!

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Comments
4 Responses to “Comming / going home”
  1. Bulgariana sagt:

    Ich wünsche dir ganz viel Kraft. Mehr kann man nicht sagen, du hast die Situation so berührend beschrieben…
    Ich habe meine Oma verloren, die für mich ein richtiger Lebensmensch war, (auch wenn der Begriff in letzter Zeit einen unangenehmen Beigeschmack bekommen hat) als ich 27 Jahre alt war. Aber ich wusste, sie geht an einen besseren Ort. Sie fehlt mir trotzdem sehr, aber ich habe gelernt ohne sie zu leben.
    Ich konnte mich verabschieden von ihr. Das war mir wichtig. Ich bin damals nach Bulgarien geflogen als hätte ich eine Vorahnung.
    Egal. Viel Kraft und eine Umarmung von mir.

  2. roblitz sagt:

    Ich danke dir sehr für die netten Worte liebe Bulgariana! Mir war es auch sehr wichtig mich zu verabschieden, dennoch war es schwer jemandem Mut zuzuflüstern, der mir ein Leben lang Mut und Kraft gegeben hat, aus der Tür zu gehen und dabei das wärmste und herzlichste Lächeln zu zeigen, aber innerlich vor lauter Wut und Verzweiflung zu schreien… Es ist auch nicht nur die Trennung an sich, die mich so sehr beschäftigt, sondern die vielen Warums, wie z.B. warum die guten Menschen den schlimmsten Schicksalsschläge ausgesetzt sind… Ich denke, das wird mich auch weiterhin sehr beschäftigen in der nächsten Zeit!

  3. Bulgariana sagt:

    Das sind in der Tat schwierige Fragen. Ich habe bis heute keine Antwort darauf gefunden.
    Mir macht es zu schaffen, dass man irgendwann nicht mehr das Kind ist, auf das die Eltern acht geben müssen, dass die Eltern verwöhnen oder Dinge verbieten, sondern man schleichend und langsam immer mehr Verantwortung für seine Eltern übernehmen muss, weil sie älter und gebrechlicher werden.
    Leider habe ich nie die Gelassenheit und Weisheit, die die Österreicher beim Thema haben, erlangen können.

    • roblitz sagt:

      Da stimme ich dir vollkommen zu – das Erwachsenwerden kommt irgendwann ob man sich dagegen wehrt oder nicht, irgendwann überrollen einen die Probleme der Erwachsenen und bis man es merkt ist man mittendrin… Der Rollentausch – dass die Kinder Verantwortung für die Eltern übernehmen – ist denke ich in Bulgarien ganz anders ausgeprägt als in Deutschland oder Österreich. Ich weiß gar nicht, ob ich diese „Gelassenheit und Weisheit“, wie du sie nennst, erlangen kann. Dennoch denke ich viel darüber nach, wie ich das trotz der sehr großen Entfernung meistern würde…Man weiß nie was das Leben für einen noch bereit hält.

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