Das Copy&Paste Zeitalter

Zwei Shortcuts für das Leben im doppelten Sinne:
Strg+C und fremde Gedanken und Worte wandern schnell in den Speicher…
Strg+V und dieselben fremden Gedanken und Worte wechseln inoffiziell den Ursprung!

So schnell geht es, wenn man was Besonderes liest oder sieht…man will es ja haben! Und die genialsten Sachen sind ja genau die, bei denen ich mir sage „Mensch so toll und so einfach, das hätte mir doch bestimmt auch glatt einfallen können!“ Aber es ist nicht MIR sondern jemandem anders eingefallen und das ist auch gut so 😀 Keiner will doch alle genialen Ideen in seinem Kopf haben, oder? Aber sie abtippen, kopieren, absahnen und als eigene verkaufen … das kann schon mal passieren… ist ja nicht anstrengend! Und so beobachte ich manchmal dieses Phänomen von der Seite – mal in Texten, mal in Lebenseinstellungen, sogar in Träumen … an die frechen Kopierer, die im großen Stil alles nachmachen denke ich gerade gar nicht dabei… Ich denke an die Menschen, die auf Copy&Paste leben. Diejenigen, die sich ihr Leben, ihre Ziele, ihre Denkweise oder sogar ihr Aussehen bei anderen abschauen. Es ist nicht schlimm einfallslos zu sein, nur traurig und ein bißchen dämlich. Wenn man sich nicht mal bemüht – vor allem peinlich! Wenn man das Kopierte nicht mal durch die eigene Prisma brechen kann und dem mindestens einen Hauch Indivitualität verleihen kann – dann ist es häßlich!
Es gibt ja die Theorie, dass man durch Nachahmung an der wahren Kunst immer näher kommt. Aber hey, eben nur näherkommen und nicht erreichen! In der Romantik herrschte zum Beispiel die Vorstellung vom wahren Genie – was der Geniegeist schafft erreicht niemand – nicht durch Kopie und auch nicht durch die technische Nachahmung! Warum also wie ein Salieri ein Leben lang den wahren Geniegeist beneiden, kopieren und nachahmen… und warum nicht stattdessen ein Mozart auf dem eigenen Gebiet sein!
Natürlich ist diese Vorstellung längst überholt und keiner nimmt für sich den Geniegeist in Anspruch. Aber so in Kleinigkeiten kann man doch mal sich was abschauen… Fremdes als Eigenes verkaufen… Wie mich das nervt nur! Und ich habe sehr lange darüber nachgedacht! Das Phänomen hat mich lange begleitet, hat mich immer wieder in den letzten Jahren aus verschiedenen Seiten überrascht. Ich habe es nicht nur bei anderen Menschen gesehen, ich habe mich selber betroffen gefühlt, weil ich erkannt habe, wie meine Träume, meine Lebenspläne, meine Ziele von jemandem anders verinnerlicht wurden. Und es ist unangenehm! Mir meinen Satz nehmen genauso wie meine Träume für die eigenen zu halten. Aber vor allem habe ich Mitleid mit solchen Menschen! Und auch wenn Salieri besser und länger gelebt hat ist er in die Geschichte nicht als Genie sondern als Mozarts Nachahmer eingegangen… Was bleibt ist eben ein sehr fader Beigeschmack, wenn man nicht aus dem eigenen Teller isst und ständig vergleicht! Aber das mit dem Vergleichen ist ein anderes Thema und ich lasse es für das nächste mal!
Also Salieris des Lebens habt ihr schon die Finger auf die richtigen Tasten gelegt? Shortcuts sind ja dafür da, damit Sachen schneller gehen, aber ob sie dadurch auch besser werden?

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